Eine Einführung in den Säure-Basen-Haushalt unseres Körpers

ph-wert-körperDie meisten Menschen verlassen sich darauf, dass ihr Körper funktioniert und dauerhaft allen Belastungen standhält. Dabei vergessen jedoch viele, dass unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden, sowie die Belastbarkeit unseres Körpers maßgeblich von unserer Lebens- und Ernährungsweise beeinflusst werden. Tagtäglich setzen wir unseren Organismus zahlreichen Gift- und Schadstoffen aus – viele davon sogar wohlwissend, dass sie sehr schädlich sind. Dazu zählen besonders Nikotin, Alkohol und eine fettreiche, ungesunde Ernährung. Hinzu kommt außerdem eine Lebensweise, die von Bewegungsmangel sowie psychischem und körperlichem Stress geprägt ist und wenig Zeit zur Erholung zulässt. All diese Faktoren wirken sich negativ auf unseren Säure-Basen-Haushalt aus und bringen diesen aus dem Gleichgewicht – es kommt zur Übersäuerung. Die Folgen davon sind vielfältig: Kurzfristig ist sie oft Auslöser für Beschwerden wie Müdigkeit und Energielosigkeit, Hautunreinheiten, Migräne, Gewichtszunahme, Haarausfall, Hitzewallungen und viele weitere. Langfristig kann eine Übersäuerung des Körpers aber sogar verantwortlich für zahlreiche schwerwiegendere Krankheiten sein.

Um langfristig gesund, ausgeglichen und leistungsfähig zu bleiben, sollte man sich deshalb genügend Zeit für sich selbst nehmen und durch eine gesunde Ernährung und Lebensweise einer Übersäuerung entgegenwirken. Doch dafür ist es zunächst einmal wichtig zu verstehen, wie unser Säure-Base-Haushalt überhaupt funktioniert. Was für ein pH-Wert ist gesund? Welche Nahrungsmittel sind basisch, welche säurebildend und somit ungesund? Wie erkenne ich eine Übersäuerung und was kann ich letztendlich dagegen tun?

 

Der Säure-Base-Haushalt unseres Körpers

Der pH-Wert gibt die Konzentration von Säuren bzw. Basen in einer Flüssigkeit an und wird durch die Zahlen 1 – 14 angezeigt. Die folgende Tabelle zeigt die Aufteilung in sauer, neutral und basisch:

Sauer pH-neutral Basisch
0 – 6,9                7 7,1 – 14

 

Der menschliche Organismus besteht zum größten Teil aus Flüssigkeiten mit verschiedenen pH-Werten, die jeweils eine bestimmte Funktion erfüllen sollen. Die Flüssigkeit in unserem Magen, beispielsweise, hat einen sehr niedrigen pH-Wert und ist damit sehr sauer, wie der Name Magensäure ja auch schon andeutet. Dies dient der Zersetzung der Speisen im Magen. Ebenso besitzt unsere Haut den schwach sauren Säureschutzmantel, der vor dem Eindringen von Krankheitserregern schützen soll. Unser Blut hingegen ist mit einem pH-Wert zwischen 7,35 und 7,45 wesentlich basischer. In einigen Organen, wie beispielsweise in Teilen des Dünndarms, schwankt der pH-Wert zwischen einem sauren und basischen Wert (z.B. liegt der Wert im Zwölffingerdarm zwischen 4,8 und 8,2).

Hier eine Übersicht der wichtigsten pH-Werte im menschlichen Körper (Normalwerte, die selbstverständlich individuell abweichen können):

Der pH-Wert im Körper ist je nach Organ sehr unterschiedlich

Der pH-Wert im Körper ist je nach Organ sehr unterschiedlich

Doch was hat das alles mit unserer Gesundheit und unserem Wohlbefinden zu tun?

Unser Organismus ist permanent damit beschäftigt, diese sauren und basischen Flüssigkeiten im Gleichgewicht zu halten. Säuren, die über die Nahrung aufgenommen werden, müssen mit Hilfe von Mineralstoffen neutralisiert werden, um den pH-Wert des Blutes im basischen Bereich zu halten. Dies wird im medizinischen Fachjargon als Pufferkapazität unseres Organismus bezeichnet. Eine ungesunde Ernährung und Lebensweise führt jedoch zu einer erhöhten Belastung unseres Körpers durch eine vermehrte Bildung von Säuren bei oftmals gleichzeitigem Mineralstoffmangel. Die körpereigene Pufferfunktion kommt irgendwann nicht mehr nach, die Folge ist eine dauerhafte Übersäuerung des Körpers.

Was genau ist Übersäuerung?

Der übermäßige Konsum von Nahrungs- und Genussmittel wie Fett, Fleisch, Wurst, Nikotin, Alkohol, Weißmehlprodukten und Zucker ist ungesund – das ist den meisten Menschen durchaus bewusst. Dass diese Faktoren aber auch verantwortlich für viele Krankheiten sein können, vergessen allerdings viele. Denn wenn Nahrungsmittel in unserem Körper zur Energiegewinnung verstoffwechselt werden, entstehen säurehaltige Abfallprodukte, die der Körper so schnell wie möglich wieder loswerden möchte.

Neutralisiert werden die Säuren in der Regel durch Mineralien, die einen basischen pH-Wert besitzen und sie in Salze, sogenannte Schlacken, umwandeln, die dann wiederum ausgeschieden werden können. Bei diesem Vorgang arbeiten unser Blut und Gewebe, sowie die Ausscheidungsmechanismen der Nieren und der Leber eng zusammen. Wenn nun aber durch eine einseitige Ernährung und eine große Stressbelastung zu viele Säuren im Körper entstehen und dem Organismus gleichzeitig auch noch zu wenige Mineralien zur Verfügung stehen, kommt es zur Übersäuerung. Der Organismus kann die entstandenen Schlacken ab einem gewissen Punkt nicht mehr ausscheiden und lagert sie dort ein, wo sie eigentlich abgebaut werden sollten: in der Haut, dem Bindegewebe, den Blutgefäßen und den Gelenken. Dort können sie dann wichtige Stoffwechselvorgänge blockieren und sind verantwortlich für eine Vielzahl von Beschwerden.

Die meisten Menschen unternehmen dann Versuche, die Symptome zu bekämpfen – oft jedoch ohne großen Erfolg. Denn wenn dann auch noch zusätzlich Medikamente eingenommen werden, verstärken sich die Probleme mitunter dramatisch. Es entsteht ein Teufelskreislauf, denn die Einnahme von chemischen Produkten, gepaart mit zunehmendem Stress und einer stärkeren psychischen Belastung, können wiederum die Übersäuerung anspornen. Der einzige Weg hinaus ist, das Problem an der Wurzel zu packen und den Säure-Base-Haushalt des Körpers wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

 

Was passiert, wenn der Säure-Basen-Haushalt im Ungleichgewicht ist?

Zunächst einmal muss man verschiedene Formen der Übersäuerung klar voneinander unterscheiden. In der Medizin wird im Wesentlichen zwischen zwei Formen der Übersäuerung unterschieden, der „echten“ Übersäuerung, also der sogenannten Azidose, und der im Volksmund als Übersäuerung bezeichneten erhöhten Säurebelastung des Körpers. Diese Unterscheidung ist sehr wichtig, denn eine Azidose ist eine lebensgefährliche Stoffwechselstörung, die unbedingt sofort medizinisch behandelt werden muss. Sie tritt auf, wenn das körpereigene Kompensationssystem des Säure-Basen-Haushaltes gestört ist und der pH-Wert im Blut nicht mehr zwischen 7,35 und 7,45 gehalten werden kann. Man spricht von einer Azidose, wenn der Wert unter 7,35 sinkt, steigt er jedoch über 7,45, liegt eine nicht minder gefährliche Alkalose vor, also ein Anstieg der Basen im Blut. Die Ursachen dieser Form der Übersäuerung liegen meist bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Asthma und anderen Lungenerkrankungen, Stoffwechselstörungen aufgrund von Diabetes, starkem Alkoholismus oder Magersucht, Vergiftungen oder Verletzungen der Lunge durch Unfälle.

Die im Volksmund bekannte Übersäuerung hingegen führt in den meisten Fällen nicht zu einer Veränderung des pH-Wertes im Blut und ist somit nicht akut lebensgefährlich. Die körpereigenen Puffersysteme sind meist sehr lange dazu in der Lage, den pH-Wert des Blutes auf einem stabilen Wert zu halten. Trotz allem leidet der Organismus auf Dauer jedoch massiv an der übermäßigen Säurebelastung des Körpers. Da der Säure-Basen-Haushalt alle Zellen unseres Körpers betrifft, sind die Symptome einer langsam entstandenen Übersäuerung sehr vielfältig und unspezifisch. In der folgenden Tabelle finden sich die häufigsten Anzeichen dafür:

 

Durchfall   Unser Magen-Darm-Trakt ist ein sehr ausgeklügeltes System unseres Körpers, das zumeist relativ schnell und sehr empfindliches auf Veränderungen reagiert. Werden über die Nahrung zu viele Säuren bzw. säurebildende Lebensmittel aufgenommen, versucht sich unser Magen-Darm-Trakt zu schützen, indem er die Säuren gar nicht erst aufnimmt und direkt wieder ausscheidet, wodurch es vermehrt zu Durchfall kommen kann. Wer sehr häufig darunter leidet, sollte also eine Übersäuerung des Körpers als Ursache in Erwägung ziehen.
Sodbrennen Ähnlich wie Durchfall, gehört auch Sodbrennen nicht nur zu den klassischen Symptomen einer Übersäuerung, sondern zeigt gleichzeitig besonders deutlich eine falsche Lebens- und Ernährungsweise auf. Denn Sodbrennen tritt vor allem dann auf, wenn zu viel und zu fettiges Essen im Magen aufgenommen wurde, wodurch die sehr saure Magensäure gewissermaßen „überschwappt“ und so zu einer unangenehmen Reizung der Speiseröhre und des Mageneinganges führt.
Haut- und Bindegewebsprobleme Obwohl unsere Haut eigentlich einen leicht sauren pH-Wert besitzt, um uns vor Krankheitserregern zu schützen, leidet sie oft sehr an der Übersäuerung, denn sie ist maßgeblich an der Ausleitung von Giftstoffen beteiligt. Fallen zu viele dieser Giftstoffe und Säuren an, reagiert sie empfindlich mit Trockenheit, Rötungen, Ausschlägen, oder Hautunreinheiten wie Mitesser, Pickel und Pusteln. Und auch das Bindegewebe wird durch Säuren und Schlacken stark geschwächt, was Cellulite und Krampfadern begünstigen kann.
Haare & Nägel Ähnlich wie unserer Haut, kann man auch unserm Haar und unseren Nägeln eine Übersäuerung ansehen. Die Haare wirken fahl und glanzlos, oft ist die Kopfhaut fettig und die Spitzen trocken oder die Haare fallen sogar aus. Die Nägel sind ebenfalls dünn und ohne Glanz und neigen dazu, abzubrechen.
Müdigkeit & Konzentrationsschwäche Dass eine Überbelastung des Körpers mit Säuren wichtige Stoffwechselvorgänge in den Zellen blockieren kann, macht sich besonders in unserem Gehirn bemerkbar. Die Konzentration und Aufnahmefähigkeit leiden, oft fühlen wir uns müde, schlapp und antriebslos. Diese Auswirkungen können zu vermehrtem Stress führen, der die Symptome wiederum zusätzlich verschärfen kann und gleichzeitig mitverantwortlich für die Übersäuerung ist – ein Teufelskreislauf, wodurch unser Organismus dauerhaft sehr in Mittleidenschaft gezogen werden kann!
Entmineralisierung Wie bereits erwähnt, besitzt der Körper gewisse Puffermechanismen, um den pH-Wert des Blutes stabil zu halten. Die beim Stoffwechsel entstehenden Abfallprodukte sind zumeist sauer, besonders wenn dem Körper viele Säurebildner zugeführt werden. Sie müssen durch basische Mineralstoffe, wie beispielsweise Kalzium, Kalium oder Magnesium, neutralisiert werden, bevor sie in den Blutkreislauf gelangen. Stehen dem Organismus allerdings durch eine einseitige Ernährung nicht genügend Mineralien zur Verfügung, so greift er auf körpereigene Depots zurück, denn oberste Priorität ist den pH-Wert des Blutes konstant zu halten. Das bedeutet, die basischen Mineralstoffe werden unseren Knochen, Gelenken, Knorpeln, Zähnen, Bindegewebe, Muskeln und Sehnen entzogen. Besonders im Alter kann dies die Entstehung einer Reihe von Krankheiten begünstigen, wie beispielsweise Osteoporose, Arthrose, Rheuma und andere Muskel- und Gelenkbeschwerden.
Geschwächtes Immunsystem Auch unser Immunsystem kann durch die Dauerbelastung mit Säuren massiv angegriffen werden, da der Körper wichtige Stoffwechselfunktionen, die auch zur Abwehr von Infekten dienen, nicht mehr richtig ausführen kann. Das Ergebnis: wir sind häufig geschwächt, fühlen uns krank und sind anfällig für Infekte wie zum Beispiel Erkältungen, aber auch Pilzerkrankungen der Haut oder Herpes.
Übergewicht Einer der ersten Tipps, die einem mit auf den Weg gegeben werden, wenn man eine gesündere Lebensweise anstrebt, ist, Übergewicht zu reduzieren. Auch viele Basenfastenkuren raten dazu. Denn oftmals gehen Übergewicht und Übersäuerung Hand in Hand, da der Säureüberschuss die Verarbeitung von Fett, Kohlenhydraten und Zucker stark beeinträchtigen kann. Diese können dann nicht richtig verstoffwechselt werden und werden vermehrt abgelagert. Gleichzeitig kann aber auch die Aufnahme von wichtigen Nähr- und Vitalstoffen blockiert werden, was dazu führt, dass wir unter starken Heißhungerattacken leiden, denn der Körper signalisiert, dass ihm etwas fehlt. Beides hat eine immer größere Gewichtszunahme bzw. einen starken Jojo-Effekt nach Diäten zur Folge und führt mitunter zu großem Frust, da trotz guter Vorsätze und Essensregeln nichts passiert. Deshalb mach es beim Wunsch, abzunehmen, durchaus Sinn, zunächst einmal den Säure-Basen-Haushalt zu überprüfen und, wenn nötig, wieder ins Gleichgewicht zu bringen, damit die Gewichtsreduzierung auch ein Erfolg wird.

 

 

pH-Testverfahren im Überblick

Wie messe ich meinen Säurespiegel?

ph-Wert Messung mit Hilfe von Indikatorfarbstoffen auf Teststreifen

ph-Wert Messung mit Hilfe von Indikatorfarbstoffen auf Teststreifen

Um den pH-Wert des Körpers feststellen zu können, gibt es verschiedene Messmethoden. Eine Möglichkeit ist es, den pH-Wert des Blutes zu bestimmen. Dies wird zumeist in der Praxis des Hausarztes vorgenommen und liefert sehr schnell sehr genaue Werte. Allerdings ist diese Form der Messung vor allem für die Feststellung einer akuten Azidose geeignet, da sich hier auch der pH-Wert des Blutes stark verändert. Bei einer langsam entstandenen Übersäuerung bleibt der Wert des Blutes meist sehr lange stabil, da der Körper die Säuren durch verschiedenen Puffermechanismen abwehren kann. Das Messergebnis lässt also keine Aussage über die eine Übersäuerung des Gewebes zu, denn obwohl das Blut also einen normalen pH-Wert aufweist, kann der Organismus schon stark übersäuert sein, worunter bereits viele Körperfunktionen leiden.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, ein Ernährungstagebuch zu führen und genau zu notieren, was und wie viel man isst und trinkt. Dabei kann man dann mit Hilfe einer Klassifikationstabelle basische und saure bzw. säurebildende Nahrungsmittel in unterschiedlichen Farben markieren und so feststellen, wie viel vom jeweiligen aufgenommen wird. Außerdem ist dies ein hilfreiches Mittel, um seine Ernährung umzustellen, da die häufigsten Säurebildner auf einen Blick zu sehen sind. Einen messbaren pH-Wert liefert diese Methode allerdings nicht.

Am sinnvollsten ist es daher, neben dem Führen des Ernährungstagesbuches auch den pH-Wert des Urins zu messen. Dies kann jeder selbstständig zuhause durchführen, die dazu benötigten Teststreifen gibt es in der Apotheke zu kaufen. Wichtig ist dabei nur zu beachten, dass der pH-Wert des Urins während des Tagesverlaufes starken Schwankungen unterliegt. Morgens ist er zumeist eher sauer, abends eher basisch. Man sollte also am besten mehrmals täglich zu festen Zeiten und über einen längeren Zeitraum messen, um daraus einen Durchschnittswert zu bestimmen.