Es soll lebensverlängernd wirken, Krebszellen abtöten können, Diabetes vorbeugen, Fett abbauen und viele andere Wirkungen haben. Resveratrol ist nicht neu, sorgt aber in letzter Zeit für immer mehr Interesse an Anti-Aging-Begeisterten und natürlich in Forschung und Medizin. Tatsächlich hat dieser zu den Polyphenolen gehörender Feststoff in einigen Studien erstaunliche Ergebnisse hervorgebracht. Doch wie sinnvoll ist die Einnahme von Resveratrol als Nahrungsergänzungsmittel wirklich?

Wo kommt Resveratrol vor?

Natürliche Resveratrol-Quellen sind Weintrauben, Himbeeren, Maulbeeren, Pflaumen, Erdnüssen, und der Japanische Staudenknöterich. Vor allem aber die rote Weintraube scheint einen erhöhten Anteil dieses Wirkstoffes zu besitzen. In zahlreichen Versuchsreihen wurde ein Zusammenhang zwischen UV-Einstrahlung und der Konzentration an Resveratrol festgestellt, vor allem in der Haut der Traube. Dies lässt darauf schließen, dass Resveratrol eine Schutzfunktion besitzt.

Resveratrol als Fettkiller

In einigen Studien mit Tieren wurde festgestellt, dass die Einnahme von Resveratrol sich positiv auf das Gewicht auswirken kann. Dabei hatte Resveratrol eine ähnliche Wirkung wie eine Kalorienrestriktion, also eine Reduktion der Kalorienaufnahme, welche zahlreiche positive Wirkungen auf die Gesundheit der Tiere hatte:

  • Die Tiere altern auch optisch langsamer.
  • Die kardiovaskuläre Gesundheit ist besser bei Tieren auf Kalorienrestriktion, als bei anderen Tieren im gleichen Alter.
  • Krebs und Diabetes treten seltener auf.

Tatsächlich zeigen neueste Versuche an Primaten und Ergebnisse von humanen Studien, dass sich diese Wirkungen auch auf den menschlichen Organismus übertragen lassen.

Im Alter länger gesund bleiben

Sieht man sich die Daten von Resveratrol-Studien an Mäusen und Fischen an, stellt man fest, dass diese zwar nicht länger lebten, jedoch viele gesundheitliche Vorteile genossen. Die Anzahl alterstypischer Katarakten wurde gesenkt, die Knochengesundheit wesentlich erhalten und die Alterung des motorischen Systems verlangsamt. Entzündungswerte wurden minimiert und die Elastizität der Hauptschlagader verbessert. Alles Anzeichen dafür, dass sich Resveratrol positiv auf die Gesunderhaltung im Alter auswirken kann.

Immer mehr ältere Menschen haben mit Fettleibigkeit zu kämpfen. Vor allem hier kann der Wirkstoff bei der Vorbeugung vieler gewichtsbedingter Krankheiten helfen. In aktuellen Studien mit Menschen konnte beispielsweise gezeigt werden, dass die Einnahme von Resveratrol zu einer Senkung der Blutdrucks, verbesserte Funktion der Muskeln, einer Verbesserung der Fettverbrennung als auch der Insulinsensitivität führte.

Resveratrol bei Diabetes

Deutschland allein leiden 7 Millionen Menschen an Diabetes, davon haben 90% Diabetes 2, die durch Ernährung und Bewegungsmangel erworbene Diabetes. Tatsächlich scheint die Dunkelziffer wohl etwas höher, sodass rund 10% der deutschen Bevölkerung inzwischen an Diabetes leiden.

Zudem befinden sich viele Menschen aufgrund Fehlernährung in einem Vorstadium von Diabetes. Das heisst: die Insulinsensitivität verschlechtert sich zunehmend. Trotz einer Insulinausschüttung, die den Blutzuckerspiegel senken und den Zucker aus dem Blut in das umliegende Gewebe befördern soll, reagieren die aufnehmenden Zellen schlechter und benötigen weit höhere Mengen Insulin als normal. Diese Störung wirkt sich negativ auf die Bauchspeicheldrüse aus.

Die Folgen von Diabetes 2 sind zahlreich: Erblindung, Arterien versteifen, die Nieren können versagen und die Wundheilung ist weniger effektiv.

Wer unter Diabetes leidet sollte sich am besten viel Bewegen und die Anzahl an Kalorien reduzieren. Hierbei kann die Einnahme von Resveratrol die Blutzuckerkonzentration nach dem Essen positiv beeinflussen. Im nüchternen, also hungrigen, Zustand blieb die Glucosekonzentration gleich. Die Insulinsensitivität war also teilweise verbessert.

Derzeit geht die Wissenschaft von drei Hauptfaktoren aus, durch die Resveratrol bei Diabetikern positive Eigenschaften hat:

  1. Insulin produzierende Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse werden geschützt
  2. Blutzuckerkonzentration wird durch Resveratrol direkt gesenkt
  3. Resveratrol verstärkt die Wirkung des Insulins

Resveratrol bei Krebs oder als Krebs vorbeugendes Mittel

Die meisten Publikationen rund um das Thema Resveratrol behandeln die Wirkung auf Krebs. Immerhin ist Krebs hinter Herzkrankheiten die 2. häufigste Todesursache in Deutschland. Dabei haben Studien nicht nur die gesundheitlich positive Wirkung von Resveratrol bei Krebspatienten, sondern auch die vorbeugenden Eigenschaften aufgezeigt.

Leider sind die meisten dieser Studien entweder an Zellkulturen oder in Tiermodellen gemacht worden. Klinische Studien gibt es leider noch sehr wenige zu diesem Thema. Hierfür könnten verschiedene Aspekte verantwortlich sein: Patentierbarkeit des Resveratrols durch die Pharmaindustrie und andererseits die in der Regel schlechte Bioverfügbarkeit von natürlich vorkommenden Stoffen.

Die wenigen klingischen Studien allerdings haben erstaunliche Ergebnisse gezeigt. So wurde Darmkrebs-Patienten nicht nur eine sehr hohe Dosis (5g täglich) an Resveratrol verabreicht, sondern vorher auch sehr klein gemahlen, was für eine wesentlich bessere Aufnahme durch den Organismus sorgen sollte. Denn das Problem bisher war, dass der Stoff eine recht geringe Bioverfügbarkeit hatte und schnell vom Körper wieder ausgeschieden wurde.

Nach dem Zeitraum von zwei Wochen konnte man bei den Patienten tatsächlich ein signifikant höheres Absterben der Krebszellen feststellen. Gesunde Zellen werden bei dieser Dosis in der Regel nicht geschädigt, wenn auch diese ab einer gewissen, höheren Dosis in Mitleidenschaft gezogen werden können.

Hilft Resveratrol bei der Krebsheilung?

Leider ist die Behandlung von Krebs auch heute noch einer der schwierigsten medizinischen Herausforderungen, da es viele verschiedene Arten dieser Erkrankung gibt. Auch Resveratrol ist diesbezüglich keine Ausnahme, kann sich also zum einen positiv, zum anderen aber auch negativ auf die Krebsbekämpfung auswirken. Leider gibt es noch nicht genügend Studien zur Wirkung von Resveratrol auf Krebs, auch wenn die einigen wenigen Ergebnisse teilweise positiv erscheinen. Auf der anderen Seite gibt es auch Hinweise darauf, dass der Stoff die Wirkung bestimmten Chemotherapien verlangsamen kann.

Kann man mit Resveratrol abnehmen?

Oft hört man, dass Resveratrol dabei helfen soll Gewicht zu verlieren. Dies ist vor allem auf zwei Studien aus dem Jahre 2006 zurückzuführen, in denen zwei unterschiedlichen Tierversuchsgruppen (Mäuse) eine erhöhte Menge Kalorien zugeführt wurde. Die eine Gruppe erhielt Resveratrol, die andere nicht.

Bemerkenswerterweise hat sich die erhöhte Kalorienaufnahme nur auf die Gruppe ohne Resveratrol auf das Gewicht ausgewirkt. Vielmehr konnte man auch einen Effekt auf die Zellkraftwerke, die Mitochondrien, feststellen. Resveratrol regte über das Protein PGC1-alpha die Bildung und Funktion von Mitochondrien und verbesserte damit auch die körperliche Leistungsfähigkeit bzw. verhinderte das Einsetzen der Folgen einer hochkalorischen Diät.

Trotzdem: bisher gibt es noch keine Studie, die belegt, dass sich Resveratrol positiv auf die Gewichtsreduktion bei Menschen auswirkt. Außer anekdotischen Erzählungen und weiteren positiven Studien an Primaten, haben wir keinen sicheren Beweis dafür, dass Resveratrol beim Abnehmen in signifikanten Maßen unterstützend sein könnte und auch nicht bei welcher Dosis dieser Effekt beim Menschen einsetzen würde.

Eine aktuelle Studie aus dem Jahre 2011 hat bei fettleibigen Menschen und einer geringen Zufuhr von gerade einmal 150mg täglich zwar einige positive Ergebnisse gezeigt (erhöhte Fettverbrennung, Senkung der Blutfettwerte), trotzdem gibt es keine abschliessende Meinung in der Medizin über die Einnahme von Resveratrol bei übergewichtigen Menschen.

Dosierung und Nebenwirkungen

Bisher konnten keine Nebenwirkungen bei Resveratrol festgestellt werden. Einzig bei der sehr hohen Dosierung von 5g pro Tag traten bei Probanden Bauchschmerzen und Verdauungsprobleme auf. Zur Zeit geht man von einer optimalen Dosierung von etwa 500mg aus, was deutlich weniger ist und bisher noch keine Nebenwirkungen hervorgerufen hat.
Ausser dem Ausbleiben einer Wirkung ist mit der Einnahme von Resveratrol also kein Risiko verbunden.

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